Licht wirkt weit über das Sehen hinaus.
Über das Auge dient Licht dem autonomen Nervensystem als Zeitgeber für Schlaf, Hormone, Herz und Stimmung. Wir erforschen die nichtvisuellen Lichtwirkungen — von der Netzhaut bis zur klinisch relevanten Anwendung.
Nichtvisuelle Lichtwirkungen.
Licht ist mehr als visueller Reiz: Es ist der primäre Zeitgeber des autonomen Nervensystems. Über spezialisierte Photorezeptoren der Netzhaut werden spektrale und zeitliche Lichtinformationen verarbeitet und endogene Rhythmen — Schlaf-Wach-Verhalten, Hormonachsen, Energiehaushalt und Herz-Kreislauf-Regulation — mit dem 24‑Stunden-Wechsel von Tag und Nacht synchronisiert.
In der modernen Innenraumgesellschaft entkoppelt sich der Mensch zunehmend von dieser natürlichen Lichtdynamik. Die resultierende Desynchronisation circadianer Systeme ist mit nachweisbaren neurologischen, metabolischen, onkologischen und immunologischen Effekten verbunden.
Vermittelt werden diese nichtvisuellen Wirkungen vor allem über intrinsisch photosensitive retinale Ganglienzellen (ipRGC), unterstützt durch klassische Photorezeptoren. Sie modulieren u. a. Melatoninfreisetzung, circadiane Phasenlage, Pupillenlichtreflex und kardiale Kontraktionskraft — und machen die nichtvisuelle Wirkung von Licht messbar.
Drei Perspektiven auf nichtvisuelle Lichtwirkungen.
Jede Säule verbindet zelluläre Mechanismen mit klinisch relevanter Messmethodik — und bildet die Grundlage für gesunde Beleuchtungsumgebungen.
ipRGC & Photorezeptoren
Eine ipRGC-Population mit maximaler Sensitivität im kurzwelligen Bereich (ca. 480 nm) leistet einen zentralen Beitrag zur nichtvisuellen Steuerung — andere Photorezeptoren bestimmen je nach Spektrum und Tageszeit maßgeblich mit.
Kardiale Kontraktionskraft
Veränderung der kardialen Kontraktionskraft als Maß sympathischer Aktivierung — gemessen unter typischen Bürobeleuchtungsbedingungen mit unterschiedlichem melanopischen Stimulus, aber identischer Beleuchtungsstärke auf der Arbeitsfläche.
Pupillenlichtreflex
Spektrale und circadiane Abhängigkeit des Pupillendurchmessers unter kontinuierlichem Licht mit wechselnder Wellenlänge — als kontinuierlich messbarer Marker nichtvisueller Effekte in realen Beleuchtungsumgebungen.
vhb-Onlinekurse „Licht und Gesundheit“.
Im deutsch- wie englischsprachigen Raum einzigartig: zwei systematisch aufgebaute Online-Kurse, gemeinsam entwickelt von Hochschule München und TH Rosenheim. Seit Sommersemester 2023 für bayerische Studierende kostenfrei verfügbar.
Licht und Gesundheit 1
Grundlagen und Theorie · 14 Lerneinheiten
- Licht, lichttechnische Größen, Lichtmessgeräte
- Auge, nichtvisueller Rezeptor, Nervensystem
- Hormone, circadiane Rhythmen, Chronodisruption, Pupillometrie
- Bewertung von Einflussfaktoren, erste Leitlinien
- Photobiologische Risiken, UV-C-Anwendungen
- Grundlagen statistischer Methodenlehre
Licht und Gesundheit 2
Anwendung und Praxis · 12 Lerneinheiten
- Planungsprinzipien: qualitative & quantitative Aspekte
- Tages- und Kunstlichtplanung mit humanbiologischen Anforderungen
- Nichtvisuelle Planungsparameter
- Praxisübungen zur Lichtsimulation und Messung
- Eigenständige Einheit Lichtsteuerung (tageszeitabhängig)
- Best-Practice-Beispiele aus der Anwendung
Über 35 Stunden Videomaterial · 5–15‑Minuten-Einheiten · feingliedrige Lernerfolgskontrollen · individuelles Tempo · in bestehende Lehrveranstaltungen integrierbar. Perspektivisch ist eine „Open vhb“-Fassung geplant — frei zugänglich und unabhängig von Semesterzeiten.
Forschende und Lehrende.
Medizin, Humanbiologie, Ingenieurwissenschaften, Architektur, Innenarchitektur und Lichtplanung — gebündelt in einer Forschungsgruppe.
Prof. Dr. med. Christian Hanshans
Arzt, Ingenieur und Medizininformatiker. Leitet das interdisziplinäre biomedizinische Forschungs- und Ausbildungszentrum (BIOMED) und ist Projektleiter der vhb-Kurse „Licht und Gesundheit“.
Prof. Dr. med. Herbert Plischke
Arzt und Elektroingenieur mit umfangreicher Erfahrung in Licht und Medizin. Langjährige Betreuung der Forschung von Johannes Zauner sowie Senior-Supervisor mehrerer Publikationen und der Dissertation.
Dr. Johannes Zauner
Lichtplaner und Humanbiologe — Studium der Innenarchitektur sowie Architektur und Umwelt. Maßgeblich an Konzeption und Durchführung der Forschung sowie an der Entwicklung des nichtvisuellen Lichtsimulationsprozesses beteiligt.
Was uns einzigartig macht.
Was diese Gruppe auszeichnet, ergibt sich aus ihrem Zuschnitt: die Spannweite der Themen, der direkte Weg von der Forschung in die Lehre und eine institutionelle Verankerung, die es so kaum ein zweites Mal gibt.
Von der Zelle bis zum Raum
Nichtvisuelle Lichtwirkungen von den retinalen Photorezeptoren bis zur gebauten Lichtumgebung — diese Verbindung aus Breite, Tiefe und didaktischer Flexibilität in einem Angebot ist selten.
Forschung trifft Lehre
PEP- und PLR-Studienergebnisse fließen unmittelbar in die vhb-Kursinhalte ein — Studierende arbeiten mit aktuellen Methoden und Daten.
Konsequent interdisziplinär
Zellulärer Mechanismus, klinische Messmethodik und Lichtplanung greifen ineinander — Grundlagenverständnis und praktische Anwendung entstehen an einem Ort.
Institutionell verankert
Getragen von der Stiftungsprofessur „Licht und Gesundheit“ und der hochschulübergreifenden Zusammenarbeit von Hochschule München und TH Rosenheim im Rahmen der Virtuellen Hochschule Bayern (vhb).
Beiträge aus der Forschung.
Wissenschaftliche Arbeiten, Abschlussarbeiten, Poster und Publikationen mit Bezug zu nichtvisuellen Lichtwirkungen.